Selbsterkenntnis bei manchen Evangelischen

Der Deutschlandfunk (DLF) brachte heute in seiner Sendung Tag für Tag – aus Religion und Gesellschaft in den „Notizen“ eine Zusammenfassung einer am Mittwoch veröffentlichen Streitschrift des evangelischen Münchner Theologieprofessors Friedrich Wilhelm Graf zusammen. An den Anfang der Zusammenfassung stellt der DLF 7 Untugenden der sichtbaren Kirchen in Deutschland. Ich füge einigen davon ein paar Gedanken meinerseits an.

Sprachlosigkeit – Diese Sprachlosigkeit ist aber eine sehr wortreiche, wie man beinahe täglich in den Medien vorgeführt bekommt. Die Kleriker und ihre Anhänger, allen voran der Papst und seine katholischen Bischöfe, melden sich oft genug zu Wort.

Bildungsferne – Als Träger der Bildung sind mir die Kirchen bisher auch selten aufgefallen. Ihre Diener tun sich da eher als Bildungsverschleierer hervor.

Moralismus

Demokratievergessenheit – Diesen Sachverhalt hat der Herr Graf sehr schön zugespitzt. Wenn man sich mit den Details kirchlicher Handlungen auseinandersetzt, tut so eine pointierte Zusammenfassung gut.

Selbstherrlichkeit – Warum ist das als Untugend aufgeführt? Ist das nicht einfach nur eine Grundlage von Kirche? Ist nicht eine gewisse Selbstherrlichkeit notwendig, wenn man die eigenen Geschichtchen als einzige und letzte Wahrheit darstellt, die dem eigenen Anspruch der Kirchen nach allen anderen Wahrheiten übergeordnet ist?

Zukunftsverweigerung – Die Gegenwart ist schon gefährlich genug für die Kirchen. Schließlich wird sie immer und überall verfolgt. Dann kommt auch noch die Zukunft und macht damit weiter.

Sozialpaternalismus – Dieses Wort allein ist ein Beispiel für einen später fallenden Satz der Zusammenfassung, das verstehe ich einfach nicht. Daher habe ich Paternalismus nachgeschlagen. Damit meint er wohl, daß die Kleriker einen Zustand für erstrebenswert erachten, in dem sie über ihre Schäfchen wachen. Alles Gute für die Schäfchen kommt von den Klerikern. Im Gegenzug beschränken sich die Schäfchen auf Treue und untertäniges Verhalten, da sie schließlich ja selbst nichts für ihr „Wohlergehen“ erreichen. Herr Graf kritisiert hier also das Bestreben der Kleriker, die ganze Gemeinde bevormunden zu wollen und gleichzeitig von den Schäfchen erwarten, daß sie nicht murren.

Laut dem Beitrag komme Graf „zu dem Schluß, die deutschen Kirchen sind … Organisationen mit viel Pfründenwirtschaft zur Alimentierung von Funktionären, die gerne unter sich bleiben und miteinander in einem verquasten Stammesidiom kommunizieren, das für außenstehende unverständlich bleibt …“. Auch wenn sie scharfe Kritik an ihren eigenen Organisationen üben, können sie offenbar über ihren eigenen Schatten springen.

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