Intoleranz in der Geschichte der Kirche (1) – Heidenverfolgung in der Spätantike

Man liest öfter, „neue“ oder „aggressive“ Atheisten würden den (christlichen) Glauben aus der Gesellschaft verdrängen wollen, oder Christen würden in westlichen Gesellschaften regelrecht verfolgt. Diese Vorwürfe wurden an einigen Stellen, beispielhaft sei hier der Blasphemieblog reloaded genannt, diskutiert und als haltlos entlarvt. Das ficht die Kirchen und Christen nicht weiter an, sie fordern „Toleranz“ für den Glauben. Wer hier seit Jahrhunderten konsequent keine Toleranz übt, möchte ich in einer kleinen Reihe darstellen.

Heidenverfolgung in der Spätantike

Zunächst war das Christentum eine wenig beachtete Religion einiger weniger vor allem im Osten des römischen Reiches. Als die Zahl der Anhänger anwuchs, gerieten die Christen aufgrund ihrer Ablehnung des Kaiserkultes, genauer der Göttlichkeit der Kaiser, unter Druck. Die römische Staatsmacht fasste das als Verweigerung der Loyalität gegenüber Kaiser und Staat (moderner Begriff: „Hochverrat“) auf und ging gegen diese Christen vor. Eine religiöse Komponente lag sicherlich auch vor, denn die Christen lehnten auch die Verehrung der heidnischen römischen Götter ab und verstießen auch hier gegen die römischen Sitten und Gesetze. Das römische Heidentum war gegen seine offene Ablehnung ähnlich intolerant wie viele andere Religionen.

In der Spätantike wendet sich das Blatt. Konstantin ist der bekannteste der frühen christlichen Kaiser, die das Christentum emanzipieren. Es dauert noch einige Jahrzehnte, bis Theodosius I. das Christentum als alleinige Staatsreligion einsetzt und formal die Ausübung anderer Religionen mit der Todesstrafe belegt. Es gab allerdings viele Ausnahmen und der Staat ging nicht oder zumindest nicht systematisch gegen Heiden vor. Dazu gab es wohl noch zuviele konservative, heidnisch-römische Senatorenfamilien.

Ein staatliches Vorgehen war aber auch nicht nötig, denn das übernahm die Kirche. Es gab blutige und gewalttätige Ausschreitungen, Heiligtümer wurden zerstört. Ein prominentes Beispiel: Ein Mob von Mönchen tötete die Philosophin und Mathematikerin Hypatia. Diese Tat war aber nicht Auswuchs spontanen Volkszorns, sondern das war gedeckt und angeordnet von hohen Kirchenstellen, „zuständig“ für diese blutige Ausschreitung war niemand geringerer als der Patriarch Kyrill von Alexandria, im Amt 412 bis 444, einer der fünf angesehensten Bischöfe der gesamten damaligen Christenheit. Schon in der Morgendämmerung ihrer Macht zeigt die Kirche ihr Gesicht: Mord, Totschlag, Verfolgung Andersdenkender, von Toleranz keine Spur.

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One Response to Intoleranz in der Geschichte der Kirche (1) – Heidenverfolgung in der Spätantike

  1. D. Pavlovic says:

    Das ist sehr schön zusammengefasst. Ich habe als Beitrag eine Original-Quelle aus der Zeit der Heidenverfolgungen in einem Video aufbereitet – Libanios über die Zerstörungswut des christlichen Mobs.

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