Offener Brief an Herrn Schick, Chef des Bistums Bamberg

Sehr geehrter Herr Schick,

ich nehme hiermit Bezug auf Ihre Forderung, die Redefreiheit bezüglich von Bekenntnissen abzuschaffen.

Die Redefreiheit ist ein ganz wesentliches Menschenrecht. Sie ist unter anderem Grundlage für die Religionsfreiheit, genauso die positive, die Ihnen sicher aufgrund Ihrer Tätigkeit als hoher Religionsfunktionär wichtig ist, als auch die negative, die für eine zunehmende Zahl von Atheisten (und anderen Freidenkern) in unserem Land sehr bedeutend ist.

Eine Beleidigung von Menschen ist aus gutem Grund bereits jetzt nicht von der Redefreiheit gedeckt, das drückt sich in vielen Rechtsvorschriften, unter anderem den Strafvorschriften zur Beleidigung, aus. Nicht nur meiner Meinung nach ist damit allen berechtigten Ansprüchen Genüge getan, Personen vor ethisch unrechter Rede (oder vergleichbarer Aussage) zu schützen.

Ideen bedürfen keines besonderen Schutzes. Das wäre auch fatal, denn dann könnte man falsche Ideen gesetzlich schützen, und auch ein inhaltliches Angehen gegen diese falschen Ideen wäre verboten. Das stellt einen untragbaren Eingriff in die Freiheitsrechte aller ein.

Jede Religion ist aber nichts anderes als eine Idee. Es kann aufgrund vieler wissenschaftlicher Erkenntnisse davon ausgegangen werden, dass jede Religion die Idee einer Vielzahl sterblicher Menschen ist. Gerade beim Christentum und seiner „Mutterreligion“, dem Judentum, gibt es für viele zentrale Elemente der Schriften ältere Vorlagen aus polytheistischen altorientalischen Religionssystemen. Diese Vorlagen wurden von Menschen übernommen und umgedeutet und erst anschließend zur „heiligen Schrift“ und Grundlage der abrahamitischen monotheistischen Religionen.

Eine oder gar mehrere Ideen dürfen nicht gesetzlich gegen Zweifel, Satire oder Spott abgesichert werden. Stellt sich eine Idee als falsch heraus, muß all das erlaubt sein.

Sie deuten noch den Gleichheitsgrundsatz an, indem Sie gesetzlichen Schutz nicht nur für Ihre, sondern für alle Religionen fordern. Das ist nur absurd, denn dadurch fordern Sie, dass sich widersprechende Ideen den gleichen Schutz genießen sollen. Letztlich ist das nur eine Ablenkung davon, dass Ihr Vorstoß ganz klar die Freiheit unseres Gemeinwesens einschränken soll.

Abschließend möchte ich feststellen, dass 1969 aus gutem Grund der §166 StGB geändert wurde und die öffentliche Ordnung das Schutzgut ist und nicht „Gott“. Diese Änderung geht aber nicht weit genug. Denn falls aufgrund einer Meinungsäußerung, die durch die Redefreiheit abgedeckt ist, die öffentliche Ordnung gestört wird, ist davon auszugehen, dass die eigentliche Störung der öffentlichen Ordnung von Einzelpersonen oder Gruppen ausgeht, die sich durch die legale Meinungsäußerung beleidigt fühlt. Falls die öffentliche Ordnung strafwürdig gestört wurde, sind also diese Einzelpersonen oder Gruppen strafrechtlich zu verfolgen. Kommt es also im Falle von Äußerungen, die Sie als „blasphemisch“ ansehen, zur Störung der öffentlichen Ordnung durch Anhänger von Religionsgemeinschaften, sind meiner Meinung nach genau diese Anhänger der Religionsgemeinschaften für die Störung der öffentlichen Ordnung zur Verantwortung zu ziehen und nicht diejenigen, die von ihrem Menschenrecht der Redefreiheit Gebrauch machen.

Durch die schon lange erforderliche ersatzlose Streichung des §166 StGB wäre diese eindeutig menschenrechtskonforme und wünschenswerte Rechtslage erreicht.

Mit Ihrem Vorstoß möchten Sie genau dem entgegenwirken und unsere Gesellschaft unfreier und restriktiver machen. Dem trete ich entschieden entgegen und hoffe, dass Ihr repressiver Vorstoß wirkungslos verhallt.

Mit freundlichen Grüßen

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Intoleranz in der Geschichte der Kirche (1) – Heidenverfolgung in der Spätantike

Man liest öfter, „neue“ oder „aggressive“ Atheisten würden den (christlichen) Glauben aus der Gesellschaft verdrängen wollen, oder Christen würden in westlichen Gesellschaften regelrecht verfolgt. Diese Vorwürfe wurden an einigen Stellen, beispielhaft sei hier der Blasphemieblog reloaded genannt, diskutiert und als haltlos entlarvt. Das ficht die Kirchen und Christen nicht weiter an, sie fordern „Toleranz“ für den Glauben. Wer hier seit Jahrhunderten konsequent keine Toleranz übt, möchte ich in einer kleinen Reihe darstellen.

Heidenverfolgung in der Spätantike

Zunächst war das Christentum eine wenig beachtete Religion einiger weniger vor allem im Osten des römischen Reiches. Als die Zahl der Anhänger anwuchs, gerieten die Christen aufgrund ihrer Ablehnung des Kaiserkultes, genauer der Göttlichkeit der Kaiser, unter Druck. Die römische Staatsmacht fasste das als Verweigerung der Loyalität gegenüber Kaiser und Staat (moderner Begriff: „Hochverrat“) auf und ging gegen diese Christen vor. Eine religiöse Komponente lag sicherlich auch vor, denn die Christen lehnten auch die Verehrung der heidnischen römischen Götter ab und verstießen auch hier gegen die römischen Sitten und Gesetze. Das römische Heidentum war gegen seine offene Ablehnung ähnlich intolerant wie viele andere Religionen.

In der Spätantike wendet sich das Blatt. Konstantin ist der bekannteste der frühen christlichen Kaiser, die das Christentum emanzipieren. Es dauert noch einige Jahrzehnte, bis Theodosius I. das Christentum als alleinige Staatsreligion einsetzt und formal die Ausübung anderer Religionen mit der Todesstrafe belegt. Es gab allerdings viele Ausnahmen und der Staat ging nicht oder zumindest nicht systematisch gegen Heiden vor. Dazu gab es wohl noch zuviele konservative, heidnisch-römische Senatorenfamilien.

Ein staatliches Vorgehen war aber auch nicht nötig, denn das übernahm die Kirche. Es gab blutige und gewalttätige Ausschreitungen, Heiligtümer wurden zerstört. Ein prominentes Beispiel: Ein Mob von Mönchen tötete die Philosophin und Mathematikerin Hypatia. Diese Tat war aber nicht Auswuchs spontanen Volkszorns, sondern das war gedeckt und angeordnet von hohen Kirchenstellen, „zuständig“ für diese blutige Ausschreitung war niemand geringerer als der Patriarch Kyrill von Alexandria, im Amt 412 bis 444, einer der fünf angesehensten Bischöfe der gesamten damaligen Christenheit. Schon in der Morgendämmerung ihrer Macht zeigt die Kirche ihr Gesicht: Mord, Totschlag, Verfolgung Andersdenkender, von Toleranz keine Spur.

Die Fischgründe

Gestern war er wieder – der Tag der Leerung der Meere. Aufgrund uralter Fastenvorschriften eines levantinischen Fischervereines essen Abermillionen von Christen nicht nur am Aschermittwoch kein Fleisch, aber Fisch ist erlaubt. Das wird von vielen an diesem und dem zweiten Hardcore-Fastentag sowie in den etwa 40 Tagen dazwischen praktiziert. Die Ernährungsbetriebe wissen das und bieten zum Auftakt im Speiseplan 4 Fischgerichte, davon 3 mit Seefischen an, über 500 Kilometer vom nächsten Meer weg. Ein Gericht enthielt gar kein Fleisch, ein weiteres gab es tatsächlich mit Fleisch eines Landtieres, Hähnchenpiccata. Und von gestern gab es noch – solange der Vorrat reicht – ein Cordon Bleu vom Schwein, das stand nicht auf dem Plan. Am Tisch, an dem ich saß, nahmen 6 Personen das Fischgericht, einer das Vegetarische, und ich Hähnchenpiccata. Man kann es kindisch finden, aber ich wollte mich so von den Katholiken abgrenzen. Immerhin ist diese nette Organisation ja offiziell der Meinung, ich würde ihnen angehören, da einer ihrer Funktionäre mir mal Wasser drübergekippt haben soll, daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern.

Aber ich schweife ab: Fisch ist für viele Menschen gerade in den ärmeren Regionen der Welt die einzige Ernährungsgrundlage und wird aufgrund der Überfischung weltweit knapp und teuer. Für mich heißt das: Die Katholiken (und andere) essen sich ohne Maß und ohne Verstand am Essen vieler schwächerer Menschen satt und erklären das auch noch mit Verzicht.

Selbsterkenntnis bei manchen Evangelischen

Der Deutschlandfunk (DLF) brachte heute in seiner Sendung Tag für Tag – aus Religion und Gesellschaft in den „Notizen“ eine Zusammenfassung einer am Mittwoch veröffentlichen Streitschrift des evangelischen Münchner Theologieprofessors Friedrich Wilhelm Graf zusammen. An den Anfang der Zusammenfassung stellt der DLF 7 Untugenden der sichtbaren Kirchen in Deutschland. Ich füge einigen davon ein paar Gedanken meinerseits an.

Sprachlosigkeit – Diese Sprachlosigkeit ist aber eine sehr wortreiche, wie man beinahe täglich in den Medien vorgeführt bekommt. Die Kleriker und ihre Anhänger, allen voran der Papst und seine katholischen Bischöfe, melden sich oft genug zu Wort.

Bildungsferne – Als Träger der Bildung sind mir die Kirchen bisher auch selten aufgefallen. Ihre Diener tun sich da eher als Bildungsverschleierer hervor.

Moralismus

Demokratievergessenheit – Diesen Sachverhalt hat der Herr Graf sehr schön zugespitzt. Wenn man sich mit den Details kirchlicher Handlungen auseinandersetzt, tut so eine pointierte Zusammenfassung gut.

Selbstherrlichkeit – Warum ist das als Untugend aufgeführt? Ist das nicht einfach nur eine Grundlage von Kirche? Ist nicht eine gewisse Selbstherrlichkeit notwendig, wenn man die eigenen Geschichtchen als einzige und letzte Wahrheit darstellt, die dem eigenen Anspruch der Kirchen nach allen anderen Wahrheiten übergeordnet ist?

Zukunftsverweigerung – Die Gegenwart ist schon gefährlich genug für die Kirchen. Schließlich wird sie immer und überall verfolgt. Dann kommt auch noch die Zukunft und macht damit weiter.

Sozialpaternalismus – Dieses Wort allein ist ein Beispiel für einen später fallenden Satz der Zusammenfassung, das verstehe ich einfach nicht. Daher habe ich Paternalismus nachgeschlagen. Damit meint er wohl, daß die Kleriker einen Zustand für erstrebenswert erachten, in dem sie über ihre Schäfchen wachen. Alles Gute für die Schäfchen kommt von den Klerikern. Im Gegenzug beschränken sich die Schäfchen auf Treue und untertäniges Verhalten, da sie schließlich ja selbst nichts für ihr „Wohlergehen“ erreichen. Herr Graf kritisiert hier also das Bestreben der Kleriker, die ganze Gemeinde bevormunden zu wollen und gleichzeitig von den Schäfchen erwarten, daß sie nicht murren.

Laut dem Beitrag komme Graf „zu dem Schluß, die deutschen Kirchen sind … Organisationen mit viel Pfründenwirtschaft zur Alimentierung von Funktionären, die gerne unter sich bleiben und miteinander in einem verquasten Stammesidiom kommunizieren, das für außenstehende unverständlich bleibt …“. Auch wenn sie scharfe Kritik an ihren eigenen Organisationen üben, können sie offenbar über ihren eigenen Schatten springen.

Freier Mensch und Glaube, wie paßt das zusammen?

Vor einiger Zeit bin ich auf einen geistlichen Satz von Johan Christoph Bach gestoßen: http://www1.cpdl.org/wiki/images/0/00/J-C_Bach_-_F%C3%BCrchte_dich_nicht.pdf. Der Text des Chores lautet:

Fürchte Dich nicht, denn ich hab dich erlöst,
fürchte Dich nicht, ich hab dich bei deinem Namen gerufen,
du bist mein,
wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Darüber singt der Sopran:

O Jesu du, mein Hilf und Ruh, ich bitte dich mit Tränen,
hilf, daß ich mich bis ins Grab nach dir möge sehnen.

Die Zeilen „du bist mein“ und  „wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein“ wiederholen sich im Gesang des Chores immer wieder abwechselnd, die Zeile „du bist mein“ führt auf den Schlußakkord.

Ich frage mich, was diese Motette und dieser Text soll. Soll das Stück auf den Hörer jetzt tröstend wirken, dieser Gott bekennt sich zu Dir? Oder wirkt es einfach nur beängstigend, wie aus dem Handbuch für Selbstmordattentäter? Geh mit mir, ich nehm Dich ins Paradies mit, Du bekommst ein paar von den Jungfrauen ab, die mir versprochen sind? Offensichtlich soll ich auch nicht darüber nachdenken, denn „du bist mein“, oder auf den Hörer bezogen, ich bin sein?

Nein, dieses Bild wird noch auf die Spitze getrieben durch das, was der Sopran darübersingt. Dessen Text trägt den Zweifel am Glauben des Bittenden in sich, der Zweifel, der zur Gottlosigkeit und damit zum Verlust des Seelenheils führen kann. Das ist unbedingt zu vermeiden, denn die Gottlosen sind ja schließlich zu den Höllenqualen verdammt und werden nicht an der Seite des Herrn ins Paradies einziehen. Deshalb muß man sich dem totalen Anspruch Jesu selbst ausliefern, der vom Chor mit den oft wiederholten Worten „du bist mein“ ausgedrückt wird.

Für mich gibt es eine einzige mögliche Reaktion auf diese beiden Dinge: Ich widerspreche diesem Anspruch. Ein freier Mensch hat keinen Herrn, wie ihn ein Sklave hat. Und auch noch darum zu betteln, daß ich ein Sklave dieses Herrn sein darf, wie es die Sopranstimme des Stückes tut, das kommt mir schon gar nicht in die Tüte.

Sünde – ein perfides Prinzip

Sünde ist ein häufig benutztes Wort in der Alltagssprache. Wer falsches tut, sündigt. Ja sogar, wer mehr ißt, als sie/er sollte, sündigt. Wer falsches denkt, sündigt. Wer falsches denkt – Gedankenverbrechen? Stop!

Sünde ist das vom Menschen verursachte Getrenntsein von Gott. Warum hat der schon wieder die Finger drin? Was hat individuelles, falsches Handeln mit diesem Gott zu tun? Nochmal Stop.

Und dann war da noch die Erbsünde. Eine gewisse Eva soll in einem Garten von einem Baum gepflückt haben, und da wir angeblich alle ihre Nachkommen sind und diese „Sünde“ so schwer war, haben wir alle die Erbsünde auf dem Kerbholz. Damit ist also jede(r) betroffen und damit erstmal dazu aufgerufen, sich diesem Gott „wieder“ anzunähern. Nochmal Stop.

Das sind reichlich Hinweise, dass an dieser Sache irgendetwas faul ist. Mal zu den Gedankenverbrechen: Jede(r), wo (mit diesem hochdeutschen Relativpronomen schleiche ich mich sprachlich um die Verdoppelung herum) sich überlegt, ob sie/er etwas falsches tut oder nicht, oder ob irgendein Vorhaben jetzt richtig oder falsch ist, muß irgendetwas sündiges gedacht haben. Damit kriegen die jeden dran. Super Sache für diesen Gott (für nichtexistente Wesen kann man alles feststellen) und für dessen selbsternannte Stellvertreter auf Erden. Das Konzept der Sünde macht die Schuldgefühle, und diese Stellvertreter können sich darum kümmern. Das ist besser als jede Rabattkarte, so eine Kundenbindung bekommt keine noch so tolle Werbekampagne hin.

Ich bin ganz sicher nicht der Meinung, daß falsches Handeln in Ordnung geht, ebensowenig, wie es konsequenzenlos bleiben sollte. Falsches Handeln verursacht auch Schuld. Diese Schuld tritt aber immer gegenüber den Geschädigten ein, und zwar ausschließlich gegen diese. Auch das ist keine Einschränkung, denn es kann durchaus viele Geschädigte geben, je nach falscher Handlung auch die ganze Gesellschaft. Tatsächlich Unbeteiligte, und nichtexistente Wesen wie Göttinnen und Götter (ich will hier Hera, Aphrodite und Athene nicht ausnehmen, ganz besonders nicht Eris oder andere Göttinen und Götter) sind Unbeteiligte. Wer nicht mitspielt, hat keine Ansprüche. Und unnötige Schuldgefühle verursachen ist selbst falsches Handeln. Liebe Stellvertreter auf Erden, hier macht Ihr Euch schuldig. Und lest oben noch mal nach: Indem Ihr garantiert, daß von der „Sünde“ wirklich alle betroffen sind, macht Ihr Euch schuldig an allen Menschen, die Euch diesen Mist glauben.

Und als ob die Sache mit den Gedankenverbrechen nicht reicht, oder für den Fall, daß sich da jemand irgendwie rauswindet aus der Geschäftsidee mit der Sünde, oder einfach nur, weil doppelt genäht besser hält, kommt noch der brillante Einfall mit der Erbsünde. Nur leider hat der einen Pferdefuß: Spätestens mit diesem Gedanken wird klar, daß die selbsternannten Stellvertreter hier versuchen, ein Angebot zu machen, das „keine(r) ablehnen kann“. Sie bedrohen uns mit der Sünde, mit der Entfernung von „Gott“. Und doch sind sie dieselben, die uns die Lösung dieses Problems andrehen wollen, das sie uns selbst ans Bein binden.

Hier ist die Stelle, an der ich endgültig aussteige, das ist mir zu kompliziert. Ich schneide den ganzen „Gott“ und das ganze „Entfernen von ihm“ mit Ockhams Rasiermesser weg, und versuche, mein falsches Handeln und meine Schuld mit denen zu klären, die betroffen sind. Das ist oft schwer, und nicht immer schaffe ich es. Ich denke aber, daß es das ist, was allen am meisten bringt, und das beste kommt noch für mich alten Ego: Es bringt auch mir das meiste. Wenn ich es wieder geschafft habe, irgend eine solche Sache mit jemanden zu klären, ist auch mir wieder wohler. Oder ich überlege mir doch manches vorher, um überhaupt zu vermeiden, daß ich diesen schmerzhaftenWeg gehen muß. Auch das ist nicht immer einfach, aber in den meisten Fällen einfacher als der andere.

Eine Begebenheit unter katholisch engagierten

In einer Dorfwirtschaft wurde ich Ohrenzeuge, als einige in der örtlichen katholischen Gemeide engagierte Themen diskutierten wie die Einteilung zur Lesung und ähnliches. Speziell ging es darum, wann der Lesende wo eine Kniebeuge zu machen hätte. Überhaupt fand es einer sehr bedenklich, daß der örtliche Pfarrer hierzu keine besonderen Vorgaben macht. Eben jener bekräftigte seine Position in der Frage schließlich mit dieser Aussage: „Des wichtigste am katholischen Glauben ist die Ordnung“ und einen Seitenhieb auf den Durcheinander, der in solchen Dingen angeblich bei den „Evangelischen“ herrsche.

Lange hielt ich diese Aussage ausschließlich für das Anzeichen einer sehr auf seine Glaubensgemeinschaft beschränkte Weltsicht des Sprechers.

Nicht in seiner Absicht liegt und lag aber meine spätere Erkenntnis. Die Aussage ist sehr entlarvend über die katholische Religionsgemeinschaft an sich. Zu was dient denn die „Ordnung“ in einer Religionsgemeinschaft? Die dient doch letztlich nur dazu, daß sich ihre Angehörigen einig bleiben und weiterhin schön brav „Ordnung“ halten, das heißt, schön auf ihre Hirten und Oberhirten hören, kurz: der Sicherung der Macht der Hierarchie.

Der Satz macht aber keine Aussage über die Ordnung, sondern über das wichtigste, den Kern des katholischen Glaubens. Die Aussage läßt sich damit so übersetzen: Das Wesen des katholischen Glaubens ist die Aufrechterhaltung der Ordnung mit der Folge, daß die Hierarchie, die Funktionäre, die Fäden in den Händen behalten. Alles andere, das Seelenheil, die Verehrung des himmlischen „Chefs“, die Gebote, oder gar die Nächstenliebe, das sind alles Nebensächlichkeiten.