Bibel Brot (2)

Auf der hier vorgestellten Faltkarte findet sich noch ein weiteres Bibelzitat, das ansatzweise Angaben über die Zusammensetzung des Brotes macht. Es handelt sich um das dritte Buch Mose (Levitikus), Kapitel 24, Vers 5. Kapitel 24 legt fest, wie dem Herrn zu opfern ist, und beschreibt in den Versen 5 bis 9, wie das Opferbrot zuzubereiten ist. Man soll 12 Stück davon machen und für jedes 2 Zehntel  Efa Feinmehl verwenden. Ein Efa sind laut WP: Maße und Gewichte in der Bibel 22 bis 40 Liter, für eines der Brote also 4,4 bis 8 Liter, laut meinem Meßbecher in Kilo grob die Hälfte, also 2-4 kg Mehl pro Brot. Es ist explizit zum Brot geregelt, daß es mit Weihrauch zu opfern ist, das ist der „Gedächtnisanteil des Brotes sein, ein Feueropfer für den Herrn“ (Vers 7). Vers 8 regelt, daß das dauerhaft von den Israeliten, also auch von den Nachfolgegenerationen zu tun ist. Vers 9 legt fest, für wen die Brote sind: Für Aaron und seine Nachkommen. Mit den 12 Stück zu 2 bis 4 kg, das sind 24 bis 48 kg Brot, werden also die Priester alimentiert. Praktischerweise ist die Weihrauchmenge für das Rauchopfer nicht festgelegt…

Fazit: Da wirbt jemand mit „Bibel Brot“ für sein neues Produkt und verwendet dafür eine von Dritten zusammengestelte Faltkarte. Diese Faltkarte ist am besten dazu geeignet, zwei der unsinnigsten Stellen der Bibel kennenzulernen. Die einzigen, die sich hier ver**** lassen, sind diejenigen Christen, die ohnehin nicht wissen, was sie glauben, jetzt mal von der Liturgie abgesehen. Aber scheinbar sind das genügend viele, dass sich das fürs Geschäft lohnt.

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Bibel Brot (1)

Vor einigen Tagen ist mir in einer Bäckereifiliale Werbung für „Bibel Brot“ aufgefallen. Übers Brot gab es eine kleine Faltkarte mit dem Untertitel „Das schickt der Himmel“. Die Faltkarte zeigt auf sieben Bildern hervorgehonen sieben Bibelzitate. Das Presseerzeugnis trägt kein Impressum und nennt keinen Verantwortlichen im Sinne des Presserechts. Das einzige, was irgendwie zuordenbar ist, ist ein Domainname: http://www.bibelserver.com.

Fünf der hervorgehobenen Zitate betonen die Bedeutung des Brotes. Zwei gehen auf „biblische“ Zutaten ein, die zum Brotbacken besonders geeignet sein sollen. Das erste ist Hesekiel 4, 9. In der Einheitsüberstzung ist der Abschnitt überschrieben mit: „Die Drohsprüche gegen Juda und Jerusalem“, es geht um Prophezeihungen vor der babylonischen Gefangenschaft. Die Verse 10 und 11 unterschlägt das Faltblatt: Dort steht geschrieben (jetzt rede ich schon wie die):

Das Brot, das du ißt, soll genau abgewogen sein, zwanzig Schekel am Tag; davon sollst du von Zeit zu Zeit essen. Auch das Wasser, das du trinkst, soll genau abgemessen sein: ein  Sechstel Hin; davon sollst Du von Zeit zu Zeit trinken.

Aha, es handelt sich also um eine Rationierungsvorschrift. Wenn man mit dem Heer der Babylonier rechnet, kann das ja ganz vernünftig sein. Warum mich aber das dazu animieren soll, Bibelbrot zu kaufen und zu essen, verstehe ich nicht ganz. Nun zur Menge: 1 Talent ist laut englischsprackiger Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Talent_(measurement)) in 60 Mina und diese wiederum in 60 Schekel unterteilt. Ein Talent wiegt so um die 30 Kilo. Dann wiegt eine Mina etwa 500 Gramm, ein Schekel dann um die 8 Gramm. Ich finde 160g Brot am Tag jetzt nicht direkt üppig. Ein hebräisches hin soll etwa 6,5l gehabt haben, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hin, es gab also ca. 1,1 l Wasser am Tag. Es handelt sich also nicht um eine Anweisung, wie man gesundes Brot macht, sondern um eine äußerst knappe Rationierungsvorschrift für Brot und Wasser.

Das Beste liefert aber der nicht zitierte Vers 12:

Das Brot sollst du wie Gerstenbrot zubereiten und essen; auf Menschenkot sollst du es vor aller Augen backen.

Ein paar Verse weiter wird Rinderminst erlaubt, aber erst nach dem Einwand, daß das mit dem Menschenkot unrein sei.

Ich war ja vorher schon nicht darauf versessen, Bibelbrot zu essen, aber nach kurzer Bibellektüre ist mir die Lust jetzt endgültig vergangen…