Impressionen von der Magistrale für Europa

Dem Bahnhof Tittmoning-Wiesmühl stattete ich heute einen Besuch ab. Er liegt zwischen Mühldorf und Salzburg auf der Strecke der „Magistrale für Europa“ – oder dort, wo dieselbe vielleicht mal sein soll. Einen Eindruck von der Magistrale vermittelt dieses Bild:

Spannwerke am Bahnhof Tittmoning-Wiesmühl, mechanisches Stellwerk

Spannwerke


Die Ausfahrsignale im geraden Gleis zeigten in beide Richtungen „Fahrt frei“, ein deutlicher Hinweis, dass der Bahnhof nicht besetzt war und dieser blockstellentechnisch „kurzgeschlossen“ Teil eines großen Blocks mindestens von Kirchweidach bis Laufen war. Wäre „Spiel mir das Lied vom Tod“ kein (Italo-) Western, hätte man die Anfangsszene, in der ewig lange nichts passiert, auch in Wiesmühl drehen können.
Der Grund meines Besuches war eine Betonhohlkastenbrücke, die als Überführung über die Staatsstraße 2105 von Tittmoning nach Waging und Traunstein führt. Diese Brücke ist der Bauart nach deutlich jünger als die Strecke, das genaue Alter ist vorort mangels Inschrift nicht überprüfbar. Diese Brücke ist eingleisig, man wußte zur Bauzeit also noch nichts von der geplanten Magistrale. Sie liegt allerdings im Abschnitt Kirchham-Tittmoning-Wiesmühl, der laut Aussage der Bahn zweigleisig ausgebaut werden soll (siehe Bahnausbau Südostbayern).
Überführung der Bahn Mühldorf-Freilassing über die Staatsstraße 2105

Überführung über St 2105


Laut Bahn oder Verkehrsministerium (Quelle: Presse) ist der Abschnitt München-Freilassing der Magistrale ohnehin erst dann notwendig, wenn der Brennerbasistunnel in Betrieb geht. Da das lt. Wikipedia nach derzeitiger Planung erst 2025 der Fall sein soll, haben wir noch einige Zeit, um Wiesmühl als Filmkulisse zu nutzen.

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Bahnausbau Südostbayern

Die DB Regio AG, genauer der Kundendialog Regio Bayern (hießen früher RAN – Regionaler Ansprechpartner Nahverkehr) hat sich für mich an seine Kollegen der Infrastruktur gewendet. Vor einigen Tagen habe ich eine Email erhalten, in der er kurz den aktuellen Stand der Ausbaumaßnahmen Altmühldorf-Tüßling schildert und auf weitere Ausbaumaßnahmen eingeht. Im einzelnen:

Für den doppelgleisigen Ausbau des Abschnittes Altmühldorf-Mühldorf-Tüßling läuft ein Planfeststellungsverfahren, das in zwei Teilabschnitte eingeteilt ist: 1 – Altmühldorf-Mühldorf sowie 2 – Mühldorf-Tüßling. Da ein derartiges etwa 2-3 Jahre dauert, hofft die Bahn, in beiden Abschnitten ab 2013 bauen zu können. Der zweite Abschnitt ist der kompliziertere, so daß die Planfeststellung dort etwas länger dauern könnte, sie hoffen dennoch auf Bescheid noch 2013. Das ESTW in Tüßling ist Teil des Teilabschnittes 2 und soll gleichzeitig mit dem zweigleisigen Ausbau in Betrieb gehen. Sie schreiben noch davon, daß sowohl einzelne Teile des ESTW schon in der Bauphase in Betrieb gehen könnten sowie  Anpassungen an der mechanischen Stellwerkstechnik erfolgen könten. Das klingt für mich eher nach Maßnahmen, um besonderen Umständen der Baustelle Rechnung zu tragen. Der große Umbau soll scheinbar mit ESTW-Technik laufen, der Blockuntersatz der mechanischen Stellwerkstechnik soll vermutlich bis zum Ersatz unverändert bleiben.

Das werde (wohl nicht nur) ich vor allem in zwei Jahren aufmerksam verfolgen, denn es gilt: Die Worte klingen (ein wenig) Wohl in meinen Ohren, doch ich glaube es erst, wenn die Kombinationssignale leuchten und ich die Gleise in Betrieb sehe.

Dann jetzt zum ein klein wenig weniger wohl: Die Planungen an den anderen doppelgleisigen Abschnitten laufen, das kann nur das Flickwerk mit den drei Begegnungsabschnitten bedeuten, nicht den Komplettausbau bis Markt Schwaben bzw. zum ehemaligen Rangierbahnhof Laim. Zumindest gibt es da jemanden, der (mit der Planung) bereit sein will, wenn mal Geld da ist. Im Zuge der Bundesschienenwege-Bedarfsplanüberprüfung hat man offensichtlich erkannt, daß es zwischen Kirchweidach und Tittmoning-Wiesmühl einen zweigleisigen Abschnitt braucht. Es gibt Planungen diverser Brückenbauwerke, für die Elektrifizierung und für den genannten Abschnitt, diese sind in verschiedenen Stadien. Jetzt wirds noch weniger wohl, denn: Der Bund entscheidet hier über die Finanzierung und den Zeithorizont, die Bahn (das ist der Kundendialog Regio Bayern) kann hier keine Aussagen machen. Möglicherweise lassen uns Ramsauer und Kollegen hier nochmal ein paar Jahrzehnte am langen Arm verhungern, bis wir 10 Verkehrsminister weiter sind.

Der Kundendialog hat mir noch bestätigt, dass die Walpertskirchener Spange, also unsere Abkürzung durch den Biergarten zum Flughafen, vom Ausbau (München -) Walpertskirchen – Mühldorf abhängig ist. Auch hier scheints so zu sein, dass wir uns das noch lang anschauen müssen.

Ich hoffe weiterhin das beste und erwarte das schlimmste.