Update: Eröffnung ESTW Burghausen

Der Herr Bundesverkehrsminister hat sich heute soeben die Ehre gegeben, mit einem schwarzen Pilzknopf das ESTW Burghausen in Betrieb zu nehmen.
Herr Ramsauer zur Inbetriebnahme
(Bild: cc-by-sa, Autor: schiffmo, Referenz durch URL oder Link hierher)
Dabei ist er auch ein wenig auf die weiteren Projekte rund um die ABS 38 (Magistrale für Europa, München-Freilassing über Mühldorf) eingegangen. Der Stand weicht nicht von meiner Kenntnis ab: Baurecht für den zweigleisigen Ausbau Altmühldorf-Tüßling wird für Anfang 2013 erwartet, her könnte neu sein: Für diesen Abschnitt sei die Finanzierung gesichert. Für die weiteren Abschnitte der ABS38, die da wären: Zweigleisige Begegnungsabschnitte zwischen München und Mühldorf (2 weitere) und Kirchweidach – Tittmoning-Wiesmühl, durchgehende Elektrifizierung der ganzen ABS 38 und durchgehendes Doppelgleis München-Mühldorf-Tüßling befinden sich in Vorplanung (Phase 1 und 2 sagte er, weiß jemand, was das für Phasen sind?)
Neben der Finanzierung Altmühldorf-Tüßling könnte neu sein, daß in den vier Jahren 2012-2015 je eine Milliarde für weitere Ausbaumaßnahmen zur Verfügung steht. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung, insbesondere, wenn damit die ABS 38 näher kommt. Herr Ramsauer, seien Sie sich sicher: In diesem Punkt sind viele Augen auf Sie und die Regierung gerichtet, die sehen möchten, dass das mehr ist als ein Redebeitrag bei einem Auftritt mit Blasmusik.
Herr Ramsauer sprach noch eine Reihe weitere Vorhaben bundesweit an, u.a. die Anbindung des geplanten Tiefseehafens an der Nordsee, die Rheinstrecke im Oberrheingraben und weitere. Nicht nur wir in unserer Region haben berechtigte Bedürfnisse, sondern andere in anderen Regionen auch. Nachdenklich macht mich da eher, wenn mancherorts sehr teure Maßnahmen ergriffen werden, die offensichtlich teilweise an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbeigehen, wie beispielsweise in Stuttgart. Das Geld könnte für sinnvollere Maßnahmen eingesetzt werden, da bin ich mir sicher.

Update

Ramsauer sprach noch von weiteren Dingen: Beispielsweise davon, dass in Garching an der Alz eine weitere Strecke mit ihrem Verkehr von der ABS 38 abzweigt, hier allerdings kein Wort zu den Bestrebungen, genau dort evtl. den Personenverkehr einzustellen, siehe z.B.: http://www.zukunft-suedostbayern.info/2011/04/bahnlinie-muhldorf-traunstein-diskussionen-mit-visionen-leeren-kassen-und-handen/.

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Ramsauer in Kastl

Der Herr Ramsauer gibt sich die Ehre, das ESTW in Kastl am Samstag um 11 Uhr selbst in Bertrieb zu nehmen, das steht z.B. hier: http://www.wochenblatt.de/nachrichten/altoetting/regionales/Ramsauer-kommt-nach-Kastl;art22,43301. Da stellt sich mir eine Frage: Wenn die dann in 15 Jahren endlich den Magistralen-Ausbau fertig haben, bringt er dann das ganze Kabinett nebst Bundestag auch gleich mit?

Impressionen von der Magistrale für Europa

Dem Bahnhof Tittmoning-Wiesmühl stattete ich heute einen Besuch ab. Er liegt zwischen Mühldorf und Salzburg auf der Strecke der „Magistrale für Europa“ – oder dort, wo dieselbe vielleicht mal sein soll. Einen Eindruck von der Magistrale vermittelt dieses Bild:

Spannwerke am Bahnhof Tittmoning-Wiesmühl, mechanisches Stellwerk

Spannwerke


Die Ausfahrsignale im geraden Gleis zeigten in beide Richtungen „Fahrt frei“, ein deutlicher Hinweis, dass der Bahnhof nicht besetzt war und dieser blockstellentechnisch „kurzgeschlossen“ Teil eines großen Blocks mindestens von Kirchweidach bis Laufen war. Wäre „Spiel mir das Lied vom Tod“ kein (Italo-) Western, hätte man die Anfangsszene, in der ewig lange nichts passiert, auch in Wiesmühl drehen können.
Der Grund meines Besuches war eine Betonhohlkastenbrücke, die als Überführung über die Staatsstraße 2105 von Tittmoning nach Waging und Traunstein führt. Diese Brücke ist der Bauart nach deutlich jünger als die Strecke, das genaue Alter ist vorort mangels Inschrift nicht überprüfbar. Diese Brücke ist eingleisig, man wußte zur Bauzeit also noch nichts von der geplanten Magistrale. Sie liegt allerdings im Abschnitt Kirchham-Tittmoning-Wiesmühl, der laut Aussage der Bahn zweigleisig ausgebaut werden soll (siehe Bahnausbau Südostbayern).
Überführung der Bahn Mühldorf-Freilassing über die Staatsstraße 2105

Überführung über St 2105


Laut Bahn oder Verkehrsministerium (Quelle: Presse) ist der Abschnitt München-Freilassing der Magistrale ohnehin erst dann notwendig, wenn der Brennerbasistunnel in Betrieb geht. Da das lt. Wikipedia nach derzeitiger Planung erst 2025 der Fall sein soll, haben wir noch einige Zeit, um Wiesmühl als Filmkulisse zu nutzen.

Bahnausbau Südostbayern

Die DB Regio AG, genauer der Kundendialog Regio Bayern (hießen früher RAN – Regionaler Ansprechpartner Nahverkehr) hat sich für mich an seine Kollegen der Infrastruktur gewendet. Vor einigen Tagen habe ich eine Email erhalten, in der er kurz den aktuellen Stand der Ausbaumaßnahmen Altmühldorf-Tüßling schildert und auf weitere Ausbaumaßnahmen eingeht. Im einzelnen:

Für den doppelgleisigen Ausbau des Abschnittes Altmühldorf-Mühldorf-Tüßling läuft ein Planfeststellungsverfahren, das in zwei Teilabschnitte eingeteilt ist: 1 – Altmühldorf-Mühldorf sowie 2 – Mühldorf-Tüßling. Da ein derartiges etwa 2-3 Jahre dauert, hofft die Bahn, in beiden Abschnitten ab 2013 bauen zu können. Der zweite Abschnitt ist der kompliziertere, so daß die Planfeststellung dort etwas länger dauern könnte, sie hoffen dennoch auf Bescheid noch 2013. Das ESTW in Tüßling ist Teil des Teilabschnittes 2 und soll gleichzeitig mit dem zweigleisigen Ausbau in Betrieb gehen. Sie schreiben noch davon, daß sowohl einzelne Teile des ESTW schon in der Bauphase in Betrieb gehen könnten sowie  Anpassungen an der mechanischen Stellwerkstechnik erfolgen könten. Das klingt für mich eher nach Maßnahmen, um besonderen Umständen der Baustelle Rechnung zu tragen. Der große Umbau soll scheinbar mit ESTW-Technik laufen, der Blockuntersatz der mechanischen Stellwerkstechnik soll vermutlich bis zum Ersatz unverändert bleiben.

Das werde (wohl nicht nur) ich vor allem in zwei Jahren aufmerksam verfolgen, denn es gilt: Die Worte klingen (ein wenig) Wohl in meinen Ohren, doch ich glaube es erst, wenn die Kombinationssignale leuchten und ich die Gleise in Betrieb sehe.

Dann jetzt zum ein klein wenig weniger wohl: Die Planungen an den anderen doppelgleisigen Abschnitten laufen, das kann nur das Flickwerk mit den drei Begegnungsabschnitten bedeuten, nicht den Komplettausbau bis Markt Schwaben bzw. zum ehemaligen Rangierbahnhof Laim. Zumindest gibt es da jemanden, der (mit der Planung) bereit sein will, wenn mal Geld da ist. Im Zuge der Bundesschienenwege-Bedarfsplanüberprüfung hat man offensichtlich erkannt, daß es zwischen Kirchweidach und Tittmoning-Wiesmühl einen zweigleisigen Abschnitt braucht. Es gibt Planungen diverser Brückenbauwerke, für die Elektrifizierung und für den genannten Abschnitt, diese sind in verschiedenen Stadien. Jetzt wirds noch weniger wohl, denn: Der Bund entscheidet hier über die Finanzierung und den Zeithorizont, die Bahn (das ist der Kundendialog Regio Bayern) kann hier keine Aussagen machen. Möglicherweise lassen uns Ramsauer und Kollegen hier nochmal ein paar Jahrzehnte am langen Arm verhungern, bis wir 10 Verkehrsminister weiter sind.

Der Kundendialog hat mir noch bestätigt, dass die Walpertskirchener Spange, also unsere Abkürzung durch den Biergarten zum Flughafen, vom Ausbau (München -) Walpertskirchen – Mühldorf abhängig ist. Auch hier scheints so zu sein, dass wir uns das noch lang anschauen müssen.

Ich hoffe weiterhin das beste und erwarte das schlimmste.

Bahnausbau Mühldorf-Burghausen

In Burghausen und Umgebung werden zur Zeit Kombinationssignale aufgestellt, diese sind mir in Burghausen selbst, am Bahnübergang in Burghausen-Lindach und in Burgkirchen-Pirach aufgefallen. Offensichtlich liegt das daran:

http://bauarbeiten.bahn.de/docs/2010/bayern/infos/940_942_944_945_946_bis07112010.pdf

Die Bahn baut in Burghausen ein elektronisches Stellwerk (ESTW), und offensichtlich, so viel kann ich nur vermuten, wird der ehemalige Bahnhof Pirach von dort aus mitbetrieben. Der ehemalige Bahnhof Pirach hat zwei Gleise auf der ansonsten eingleisigen und nicht elektrifizierten Strecke und erlaubt damit Zugkreuzungen und -überholungen, wenn letzteres auch vermutlich äußerst selten vorkommt.

In Burghausen besteht derzeit bereits ein „elektrisches“ Stellwerk, vermutlich ein Relaisstellwerk. In Pirach besteht dagegen ein mechanisches Stellwerk mit den guten alten Stellhebelbänken, möglicherweise sogar ein Kurbelwerk aus den Zeiten der k. bay. Sts. B., dann läge das Alter wohl bei über 100 Jahren. Zumindest hier werden Museumsstücke durch zeitgemäße Technik ersetzt, und das sicher zugige und im Winter schlecht beheizte Stellwerk in Pirach fällt weg, je nach Plan der Bahn aber auch die eine oder andere Planstelle für die Stellwerkswärter bzw. Fahrdienstleiter, die dort gebraucht wurden.

Es ist zu hoffen, dass über die reine Rationalisierung hinaus auch noch ein messbarer Effekt für die Strecke eintritt, denn diese muss einen ganz erheblichen Güterverkehr bewältigen, die Zufuhr von Rohstoffen und die Auslieferungen von Produkten der in Burghausen ansässigen Industrie. Die Entlastung, die das für unsere Straßen bedeutet, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Führe dieser Güterverkehr auch noch über unsere Straßen, bedeutete das noch mehr LKWs, die uns in den Orten buchstäblich vor der Nase und den Füßen vorbeifahren. Die Fernstraßen führen oft genug direkt durch die Ortschaften, als Beispiel nenne ich hier nur die Bundesstraße B20.

Überaus wünschenswert wäre darüberhinaus eine Ausweitung des Personenzugverkehrs, vor allem in die späten Abendstunden. Der letzte Zug kommt in Burghausen bereits um 22.26 Uhr an, das bedeutet: Lezte Abfahrt in München Hbf um 20.08 Uhr. Das reicht für die bedeutende Gruppe der Bahnpendler auch dann, wenn man zentrumsnah noch was einkauft, aber bei weiteren Fahrten oder späteren Flügen kann das schon knapp werden. Abendaktivitäten in München sind mit der Bahn aber nicht drin. Das bedeutet, wenn man sie trotzdem wahrnehmen und eine Übernachtung in München vermeiden möchte, unangenehme und, bei stärker fortgeschrittener Müdigkeit, gefährliche Nacht-Autofahrten beispielsweise ab Mühldorf. Alles schon gemacht.

Fazit: Jede Maßnahme, die die Bahn in unserer Region leistungsfähiger und robuster macht, ist willkommen. Angesichts der Herausforderungen, die an derart stark befahrene Strecken wie München-Mühldorf-Burghausen gestellt werden, ist dieses ESTW höchstens der Tropfen auf den heißen Stein. Im Sinne unserer Region muß noch viel mehr kommen: Doppelgleisigkeit München-Mühldorf-Tüßling durchgehend, lange Begenungsabschnitte, zumindest mal einer, zwischen Tüßling und Burghausen, und Elektrifizierung!