Epikureer beklagt Kommerzialisierung des Weihnachtsfests

Als Epikureer sehe ich den Sinn des Weihnachtsfestes darin, mit den Seinen zu feiern und die Tage nach der Wintersonnwende gemeinsam zu verbringen. Dies dient dem sozialen Zusammenhalt in Familie und Freundeskreis. Gegen das Wohl der Menschen wird das gewendet, wenn der Konsum so im Vordergrund steht, wenn Schenken und beschenkt werden zu einer Last wird.

Ich rufe die Menschen dazu auf, besonders die Feiertage dazu zu nutzen, was sie am liebsten machen. Mögen sie dabei auch an die anderen denken und ihnen eine Freude bereiten. Denn am nachhaltigsten ist die eigene Freude, wenn sie daraus kommt, dass man vielen Anderen Freude gemacht hat.

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Intoleranz in der Geschichte der Kirche (1) – Heidenverfolgung in der Spätantike

Man liest öfter, „neue“ oder „aggressive“ Atheisten würden den (christlichen) Glauben aus der Gesellschaft verdrängen wollen, oder Christen würden in westlichen Gesellschaften regelrecht verfolgt. Diese Vorwürfe wurden an einigen Stellen, beispielhaft sei hier der Blasphemieblog reloaded genannt, diskutiert und als haltlos entlarvt. Das ficht die Kirchen und Christen nicht weiter an, sie fordern „Toleranz“ für den Glauben. Wer hier seit Jahrhunderten konsequent keine Toleranz übt, möchte ich in einer kleinen Reihe darstellen.

Heidenverfolgung in der Spätantike

Zunächst war das Christentum eine wenig beachtete Religion einiger weniger vor allem im Osten des römischen Reiches. Als die Zahl der Anhänger anwuchs, gerieten die Christen aufgrund ihrer Ablehnung des Kaiserkultes, genauer der Göttlichkeit der Kaiser, unter Druck. Die römische Staatsmacht fasste das als Verweigerung der Loyalität gegenüber Kaiser und Staat (moderner Begriff: „Hochverrat“) auf und ging gegen diese Christen vor. Eine religiöse Komponente lag sicherlich auch vor, denn die Christen lehnten auch die Verehrung der heidnischen römischen Götter ab und verstießen auch hier gegen die römischen Sitten und Gesetze. Das römische Heidentum war gegen seine offene Ablehnung ähnlich intolerant wie viele andere Religionen.

In der Spätantike wendet sich das Blatt. Konstantin ist der bekannteste der frühen christlichen Kaiser, die das Christentum emanzipieren. Es dauert noch einige Jahrzehnte, bis Theodosius I. das Christentum als alleinige Staatsreligion einsetzt und formal die Ausübung anderer Religionen mit der Todesstrafe belegt. Es gab allerdings viele Ausnahmen und der Staat ging nicht oder zumindest nicht systematisch gegen Heiden vor. Dazu gab es wohl noch zuviele konservative, heidnisch-römische Senatorenfamilien.

Ein staatliches Vorgehen war aber auch nicht nötig, denn das übernahm die Kirche. Es gab blutige und gewalttätige Ausschreitungen, Heiligtümer wurden zerstört. Ein prominentes Beispiel: Ein Mob von Mönchen tötete die Philosophin und Mathematikerin Hypatia. Diese Tat war aber nicht Auswuchs spontanen Volkszorns, sondern das war gedeckt und angeordnet von hohen Kirchenstellen, „zuständig“ für diese blutige Ausschreitung war niemand geringerer als der Patriarch Kyrill von Alexandria, im Amt 412 bis 444, einer der fünf angesehensten Bischöfe der gesamten damaligen Christenheit. Schon in der Morgendämmerung ihrer Macht zeigt die Kirche ihr Gesicht: Mord, Totschlag, Verfolgung Andersdenkender, von Toleranz keine Spur.

Die Fischgründe

Gestern war er wieder – der Tag der Leerung der Meere. Aufgrund uralter Fastenvorschriften eines levantinischen Fischervereines essen Abermillionen von Christen nicht nur am Aschermittwoch kein Fleisch, aber Fisch ist erlaubt. Das wird von vielen an diesem und dem zweiten Hardcore-Fastentag sowie in den etwa 40 Tagen dazwischen praktiziert. Die Ernährungsbetriebe wissen das und bieten zum Auftakt im Speiseplan 4 Fischgerichte, davon 3 mit Seefischen an, über 500 Kilometer vom nächsten Meer weg. Ein Gericht enthielt gar kein Fleisch, ein weiteres gab es tatsächlich mit Fleisch eines Landtieres, Hähnchenpiccata. Und von gestern gab es noch – solange der Vorrat reicht – ein Cordon Bleu vom Schwein, das stand nicht auf dem Plan. Am Tisch, an dem ich saß, nahmen 6 Personen das Fischgericht, einer das Vegetarische, und ich Hähnchenpiccata. Man kann es kindisch finden, aber ich wollte mich so von den Katholiken abgrenzen. Immerhin ist diese nette Organisation ja offiziell der Meinung, ich würde ihnen angehören, da einer ihrer Funktionäre mir mal Wasser drübergekippt haben soll, daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern.

Aber ich schweife ab: Fisch ist für viele Menschen gerade in den ärmeren Regionen der Welt die einzige Ernährungsgrundlage und wird aufgrund der Überfischung weltweit knapp und teuer. Für mich heißt das: Die Katholiken (und andere) essen sich ohne Maß und ohne Verstand am Essen vieler schwächerer Menschen satt und erklären das auch noch mit Verzicht.

Selbsterkenntnis bei manchen Evangelischen

Der Deutschlandfunk (DLF) brachte heute in seiner Sendung Tag für Tag – aus Religion und Gesellschaft in den „Notizen“ eine Zusammenfassung einer am Mittwoch veröffentlichen Streitschrift des evangelischen Münchner Theologieprofessors Friedrich Wilhelm Graf zusammen. An den Anfang der Zusammenfassung stellt der DLF 7 Untugenden der sichtbaren Kirchen in Deutschland. Ich füge einigen davon ein paar Gedanken meinerseits an.

Sprachlosigkeit – Diese Sprachlosigkeit ist aber eine sehr wortreiche, wie man beinahe täglich in den Medien vorgeführt bekommt. Die Kleriker und ihre Anhänger, allen voran der Papst und seine katholischen Bischöfe, melden sich oft genug zu Wort.

Bildungsferne – Als Träger der Bildung sind mir die Kirchen bisher auch selten aufgefallen. Ihre Diener tun sich da eher als Bildungsverschleierer hervor.

Moralismus

Demokratievergessenheit – Diesen Sachverhalt hat der Herr Graf sehr schön zugespitzt. Wenn man sich mit den Details kirchlicher Handlungen auseinandersetzt, tut so eine pointierte Zusammenfassung gut.

Selbstherrlichkeit – Warum ist das als Untugend aufgeführt? Ist das nicht einfach nur eine Grundlage von Kirche? Ist nicht eine gewisse Selbstherrlichkeit notwendig, wenn man die eigenen Geschichtchen als einzige und letzte Wahrheit darstellt, die dem eigenen Anspruch der Kirchen nach allen anderen Wahrheiten übergeordnet ist?

Zukunftsverweigerung – Die Gegenwart ist schon gefährlich genug für die Kirchen. Schließlich wird sie immer und überall verfolgt. Dann kommt auch noch die Zukunft und macht damit weiter.

Sozialpaternalismus – Dieses Wort allein ist ein Beispiel für einen später fallenden Satz der Zusammenfassung, das verstehe ich einfach nicht. Daher habe ich Paternalismus nachgeschlagen. Damit meint er wohl, daß die Kleriker einen Zustand für erstrebenswert erachten, in dem sie über ihre Schäfchen wachen. Alles Gute für die Schäfchen kommt von den Klerikern. Im Gegenzug beschränken sich die Schäfchen auf Treue und untertäniges Verhalten, da sie schließlich ja selbst nichts für ihr „Wohlergehen“ erreichen. Herr Graf kritisiert hier also das Bestreben der Kleriker, die ganze Gemeinde bevormunden zu wollen und gleichzeitig von den Schäfchen erwarten, daß sie nicht murren.

Laut dem Beitrag komme Graf „zu dem Schluß, die deutschen Kirchen sind … Organisationen mit viel Pfründenwirtschaft zur Alimentierung von Funktionären, die gerne unter sich bleiben und miteinander in einem verquasten Stammesidiom kommunizieren, das für außenstehende unverständlich bleibt …“. Auch wenn sie scharfe Kritik an ihren eigenen Organisationen üben, können sie offenbar über ihren eigenen Schatten springen.

Bibel Brot (2)

Auf der hier vorgestellten Faltkarte findet sich noch ein weiteres Bibelzitat, das ansatzweise Angaben über die Zusammensetzung des Brotes macht. Es handelt sich um das dritte Buch Mose (Levitikus), Kapitel 24, Vers 5. Kapitel 24 legt fest, wie dem Herrn zu opfern ist, und beschreibt in den Versen 5 bis 9, wie das Opferbrot zuzubereiten ist. Man soll 12 Stück davon machen und für jedes 2 Zehntel  Efa Feinmehl verwenden. Ein Efa sind laut WP: Maße und Gewichte in der Bibel 22 bis 40 Liter, für eines der Brote also 4,4 bis 8 Liter, laut meinem Meßbecher in Kilo grob die Hälfte, also 2-4 kg Mehl pro Brot. Es ist explizit zum Brot geregelt, daß es mit Weihrauch zu opfern ist, das ist der „Gedächtnisanteil des Brotes sein, ein Feueropfer für den Herrn“ (Vers 7). Vers 8 regelt, daß das dauerhaft von den Israeliten, also auch von den Nachfolgegenerationen zu tun ist. Vers 9 legt fest, für wen die Brote sind: Für Aaron und seine Nachkommen. Mit den 12 Stück zu 2 bis 4 kg, das sind 24 bis 48 kg Brot, werden also die Priester alimentiert. Praktischerweise ist die Weihrauchmenge für das Rauchopfer nicht festgelegt…

Fazit: Da wirbt jemand mit „Bibel Brot“ für sein neues Produkt und verwendet dafür eine von Dritten zusammengestelte Faltkarte. Diese Faltkarte ist am besten dazu geeignet, zwei der unsinnigsten Stellen der Bibel kennenzulernen. Die einzigen, die sich hier ver**** lassen, sind diejenigen Christen, die ohnehin nicht wissen, was sie glauben, jetzt mal von der Liturgie abgesehen. Aber scheinbar sind das genügend viele, dass sich das fürs Geschäft lohnt.

Bibel Brot (1)

Vor einigen Tagen ist mir in einer Bäckereifiliale Werbung für „Bibel Brot“ aufgefallen. Übers Brot gab es eine kleine Faltkarte mit dem Untertitel „Das schickt der Himmel“. Die Faltkarte zeigt auf sieben Bildern hervorgehonen sieben Bibelzitate. Das Presseerzeugnis trägt kein Impressum und nennt keinen Verantwortlichen im Sinne des Presserechts. Das einzige, was irgendwie zuordenbar ist, ist ein Domainname: http://www.bibelserver.com.

Fünf der hervorgehobenen Zitate betonen die Bedeutung des Brotes. Zwei gehen auf „biblische“ Zutaten ein, die zum Brotbacken besonders geeignet sein sollen. Das erste ist Hesekiel 4, 9. In der Einheitsüberstzung ist der Abschnitt überschrieben mit: „Die Drohsprüche gegen Juda und Jerusalem“, es geht um Prophezeihungen vor der babylonischen Gefangenschaft. Die Verse 10 und 11 unterschlägt das Faltblatt: Dort steht geschrieben (jetzt rede ich schon wie die):

Das Brot, das du ißt, soll genau abgewogen sein, zwanzig Schekel am Tag; davon sollst du von Zeit zu Zeit essen. Auch das Wasser, das du trinkst, soll genau abgemessen sein: ein  Sechstel Hin; davon sollst Du von Zeit zu Zeit trinken.

Aha, es handelt sich also um eine Rationierungsvorschrift. Wenn man mit dem Heer der Babylonier rechnet, kann das ja ganz vernünftig sein. Warum mich aber das dazu animieren soll, Bibelbrot zu kaufen und zu essen, verstehe ich nicht ganz. Nun zur Menge: 1 Talent ist laut englischsprackiger Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Talent_(measurement)) in 60 Mina und diese wiederum in 60 Schekel unterteilt. Ein Talent wiegt so um die 30 Kilo. Dann wiegt eine Mina etwa 500 Gramm, ein Schekel dann um die 8 Gramm. Ich finde 160g Brot am Tag jetzt nicht direkt üppig. Ein hebräisches hin soll etwa 6,5l gehabt haben, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hin, es gab also ca. 1,1 l Wasser am Tag. Es handelt sich also nicht um eine Anweisung, wie man gesundes Brot macht, sondern um eine äußerst knappe Rationierungsvorschrift für Brot und Wasser.

Das Beste liefert aber der nicht zitierte Vers 12:

Das Brot sollst du wie Gerstenbrot zubereiten und essen; auf Menschenkot sollst du es vor aller Augen backen.

Ein paar Verse weiter wird Rinderminst erlaubt, aber erst nach dem Einwand, daß das mit dem Menschenkot unrein sei.

Ich war ja vorher schon nicht darauf versessen, Bibelbrot zu essen, aber nach kurzer Bibellektüre ist mir die Lust jetzt endgültig vergangen…

Freier Mensch und Glaube, wie paßt das zusammen?

Vor einiger Zeit bin ich auf einen geistlichen Satz von Johan Christoph Bach gestoßen: http://www1.cpdl.org/wiki/images/0/00/J-C_Bach_-_F%C3%BCrchte_dich_nicht.pdf. Der Text des Chores lautet:

Fürchte Dich nicht, denn ich hab dich erlöst,
fürchte Dich nicht, ich hab dich bei deinem Namen gerufen,
du bist mein,
wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein.

Darüber singt der Sopran:

O Jesu du, mein Hilf und Ruh, ich bitte dich mit Tränen,
hilf, daß ich mich bis ins Grab nach dir möge sehnen.

Die Zeilen „du bist mein“ und  „wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradies sein“ wiederholen sich im Gesang des Chores immer wieder abwechselnd, die Zeile „du bist mein“ führt auf den Schlußakkord.

Ich frage mich, was diese Motette und dieser Text soll. Soll das Stück auf den Hörer jetzt tröstend wirken, dieser Gott bekennt sich zu Dir? Oder wirkt es einfach nur beängstigend, wie aus dem Handbuch für Selbstmordattentäter? Geh mit mir, ich nehm Dich ins Paradies mit, Du bekommst ein paar von den Jungfrauen ab, die mir versprochen sind? Offensichtlich soll ich auch nicht darüber nachdenken, denn „du bist mein“, oder auf den Hörer bezogen, ich bin sein?

Nein, dieses Bild wird noch auf die Spitze getrieben durch das, was der Sopran darübersingt. Dessen Text trägt den Zweifel am Glauben des Bittenden in sich, der Zweifel, der zur Gottlosigkeit und damit zum Verlust des Seelenheils führen kann. Das ist unbedingt zu vermeiden, denn die Gottlosen sind ja schließlich zu den Höllenqualen verdammt und werden nicht an der Seite des Herrn ins Paradies einziehen. Deshalb muß man sich dem totalen Anspruch Jesu selbst ausliefern, der vom Chor mit den oft wiederholten Worten „du bist mein“ ausgedrückt wird.

Für mich gibt es eine einzige mögliche Reaktion auf diese beiden Dinge: Ich widerspreche diesem Anspruch. Ein freier Mensch hat keinen Herrn, wie ihn ein Sklave hat. Und auch noch darum zu betteln, daß ich ein Sklave dieses Herrn sein darf, wie es die Sopranstimme des Stückes tut, das kommt mir schon gar nicht in die Tüte.